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Nach einer alten Überlieferung, hat ein Einwohner von Spiesheim den Aberglauben der Leute zu seinem Vorteil missbraucht. Wenn mittags die ganze Bauernfamilie auf dem Feld arbeitete, schlich er sich in Hof und Stall und molk einmal eine Kuh außer der Zeit. Als diese am Abend zum Entsetzen ihrer Besitzer keine oder nur wenig Milch gab, schob er einer Hexe hierfür die Schuld in die Schuhe.

Gleichzeitig erbot er sich, für Geld oder Naturalien versteht sich, die Hexe, die hieran Schuld sei, zu bannen. Hierauf verdingten ihn die Bauern. Der Scharlatan schlug als bald einen Zapfen vom Weinfass (Zappe) in die jeweilige Stallmauer, murmelte seine "Zaubersprüche" und kündigte an, bis zum nächsten Morgen gebe die Kuh wieder Milch. Da dies auch geschah, erhielt er von den Besitzern der Kühe, die an die Wirkung der Zauberformeln glaubten, reichlich Lohn und lebte so von der Gutgläubigkeit seiner Mitmenschen.

Diesen Gauner nannten die Leute "Zappe". Sein Beiname übertrug sich dann auf die Spiesheimer, nachdem die Ortsnachbarn sich über die Streiche lustig gemacht hatten. Dem Betrüger hatten schließlich einige jüngere Leute, die dem "Zauber" misstrauten, im Stall eines Hauses zwischen Friedhof und katholischer Kirche aufgelauert, als er wieder heimlich die Kühe molk. Sie verprügelten ihn so heftig, dass er das Dorf fluchtartig verließ.

Ein Vers aus dem Spiesheimer Lied bezieht sich ebenfalls auf diese Geschichte, wenn es dort heißt:
Es war ein Mann mit Namen Fuchs
der hat die ganz Gemo* beluchst.
Er schlug die Zappe in die Wand
und sagt, er hätt die Hex gebannt.

*Gemo = Gemeinde

Mittlerweile existieren die Aufzeichnungen des Lehrer Schlamp der 1825-27 in Spiesheim lebte und ein Zeitzeuge des „Zappe“ war. Er beschreibt, dass ein Mann mit dem Namen Peter Fuchs eine zeitlang in Spiesheim durch Scharlatanerie sein Unwesen trieb, bis der damalige Bürgermeister Wagner durch eine Anzeige bei der Polizei in Wörrstadt dafür sorgte, dass Fuchs ins Gefängnis kam. Peter Fuchs kam 1803 von Offenbach nach Spiesheim, war angeblich Viehdoktor und heiratete Maria Magdalena Diefenthäler. Er wohnte am Ende der Lidingstraße im heutigen Haus Cohausz.

Quellenangabe :
1) Blarrer Zappe Leddeköpp – Ortsneckereien aus Rheinhessen, Hans Jörg Koch
2) Lebensbeschreibung von Jacob Schlamp (Lehrer in Spiesheim von 1825-1827), Bearbeitung Ingolf Jung 2006
3) Spiesheim-zur Geschichte eines rheinhessischen Dorfes, Walter Hessinger, 2002

Erich Dexheimer

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