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Alpenueberquerung 2021 klein

Vorbemerkung und Voraktivität (Vergangenheitsform):
Ausgangssituation für mich war die „Verbannung“ durch die Corona-Pandemie, bzw. der Drang dieser Verbannung zu entfliehen. So buchte ich bereits im Okt. 2020 diese Tour, wohl wissend, dass sie eine Herausforderung für mich werden würde. Die „drei Stiefel“ von Wickinger bedeuten die anspruchsvollste Variante, die lt. unserer Führerin Ursula, immer seltener gewählt wird.

Als Generalprobe für diese Tour kam mir unser jährlich wiederkehrendes „Kraxelwochen-ende“ Ende Juli/Anfang August gerade recht. Es fand dieses Jahr am Ferienwohnsitz meiner Münchner Freunde Heike und Klaus, zusammen mit meinem langjährigen Bergkumpel Walter, in Langwies bei Arosa in Graubünden statt. Hier konnte ich austesten, ob mein Körper, nach den Beeinträchtigungen im Frühjahr, schon wieder zu Hochgebirgsleistungen fähig ist. Mit 400 Höhenmeter in einer Stunde und (u. a.) der Besteigung des Schießhorns (2.604 m) fiel dieser Test positiv aus.

Schon einen Tag vor unserer Gruppe in Oberstdorf (von der Schweiz) angekommen, nutzte ich das relativ gute Wetter, um mich auf leichteren „Buckeln“ einzulaufen. Mit dem E-Bike erkundete ich zudem auf 75 km die schöne Alpenlandschaft, wobei hier insbesondere die zweite Hälfte, entlang der Iller (von Immenstadt bis Oberstdorf), ein echter Genuss war. Ein Bummel durch das schöne Oberstdorf durfte natürlich ebenfalls nicht fehlen. Die Einstimmung auf die Tour war mir somit gut gelungen.

Die Tour- auf stillen Pfaden…. (Gegenwartsform):

1.Tag: Nach gutem Schlaf im Wanderhotel in Fischen bei Oberstdorf, starten wir am frühen Mittwochmorgen des 4. August mit dem Unternehmen Alpenüberquerung. Die Teilnehmer sind bunt gemischt (vier Frauen und vier Männer im Alter zwischen 39 und 70 Jahren) und kommen aus sechs verschiedenen Bundesländern (Bayern, Niedersachsen, NRW, Rheinland-Pfalz, Schleswig Holstein und Thüringen). Birgit, Carolin, Heribert, Julia, Olaf, Oswald, Peter und Steffi sind hoch motiviert und bereit, unter der Leitung von Ursula vom Veranstalter Wikinger, alles zu geben. Alle wissen, es wird stets zügig voran gehen und Trittsicherheit und Schwindelfreiheit werden vorausgesetzt.

Beim Aufstieg vom Kleinen Walser-Tal durch das Gemsteltal hinauf zum Koblatpass (1.986 m) und dann hinüber und hinab in die Lechtaler Alpen, ist Regen unser ständiger Begleiter, was uns aber zunächst noch wenig ausmacht (Fernwanderer sind aus hartem Schrot und Korn). Der Rundumblick zum Großen Widderstein (2.533 m), Geißhorn (2.366 m) und vielen anderen Spitzen, ist wegen des schlechten Wetters leider etwas getrübt.
Auch der südlichste Punkt Deutschlands, das Haldenwanger Eck, ist für uns an diesem Tag witterungsbedingt gesperrt. Dafür werden wir am Abend im Hotel Alpenrose mit Wellness-Angeboten (Hallenbad etc.) und kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnt. Bei einem wärmenden Zweigelt Rotwein, verbunden mit netten „Tischgesprächen“, ist dieser erste aktive Wandertag für mich zufriedenstellend verlaufen.

2. Tag: Nach dem Transfer nach Kaisers, einem idyllischen Weiler am Eingang des Kaisertals geht es, wiederum bei Dauerregen, über die Kaiseralp über 1.000 Höhenmeter hinauf zum Kaiserjochhaus auf 2.310 m. Richtig durchnässt, sind wir dort für eine warme Suppe sehr dankbar. Der 1.300 m Abstieg hinunter ins Inntal ist alles andere als einfach. Auf matschigem Geläuf muss im steilen Gelände nahezu jede/r in der Gruppe „Abgänge“ hinnehmen, die glücklicherweise alle glimpflich verlaufen. Angekommen in unserer Herberge im Klösterle Kronburg waschen uns dankenswerterweise die Nonnen unsere verschmutzte Kleidung und auch die durchnässten Schuhe dürfen wir im Heizungsraum des schmucken Klosters trocknen. Auch hier werden wir kulinarisch verwöhnt. Die Schlaf-kammern sind, den klösterlichen Gepflogenheiten entsprechend, schlicht aber absolut ausreichend eingerichtet. Dem sehr anstrengenden Tag folgt bei mir eine gute Nachtruhe.

3. Tag: Wegen der schwierigen Bodenverhältnisse haben wir bei der Lagebesprechung die heutige Kaunagrattour etwas entschärft. Mit seinen steilen Felszacken wirkt der Kaunergrat von unten beinahe unüberwindbar. Dennoch gibt es hier einige spannende Passübergänge hinüber ins Pitztal. Wir wandern, bei erstmals besserem Wetter, zur Aifner Alm, die wegen ihrer grandiosen Panoramalage beliebt ist. Auf einsamen Pfaden geht es weiter bergan, bis hinauf zum Halsl auf 2.523 m. Das Kreuzjöchle sparen wir uns wegen der noch immer schwierigen Bodenverhältnisse. Dennoch ist bei stabiler Wetterlage die Stimmung bestens und die uns umgebenden Pitztaler Gipfel sind schlichtweg atemberaubend. Auch heute sind wieder über 1.000 Höhenmeter und ca. 1.400 m Abstieg zu bewältigen, was doch so Einiges aus unseren Körpern (und Gelenken) „heraus holt“. Beim „Seppl“ in St. Leonhard (mit Pool) können wir jedoch wieder richtig entspannen und auch „auftanken“ und genügend Kräfte für den erfolgreichen Fortgang der Unternehmung mobilisieren.

4. Tag: Dieser Tag ist im Programm als Ruhetag vorgesehen. Er wird von uns dennoch indivi-duell für Aktivitäten genutzt. Zu hungrig sind wir auf weitere Bergerlebnisse. Die stets sehr umsichtige und engagierte Führerin Ursula macht verschiedene (alternative) Vorschläge. Mit der Pitz-Zahnradbahn fahren wir auf das „Dach Tirols“, auf 2.850 m. Peter und Steffi zieht es hingegen zum sehr schön gelegenen Rifflsee, mit Rundwanderweg. Zusätzlich fahren wir mit der Gondel zum Aussichtsplateau auf 3.440 m und genießen vom höchsten Punkt unserer Tour (und höchsten Aussichtspunkt Österreichs) das einmalige Panorama der Zentralalpen. Birgit und Olaf begnügen sich mit dieser „Erholungsvariante“ in luftiger Höhe. Mit der Besteigung des 3.146 m hohen Mittagskogel, unter der Direktive von Ursula, haben Carolin, Julia, Oswald und meine Wenigkeit noch ein zusätzliches Gipfelerlebnis, welches den insgesamt zauberhaften Tag harmonisch abrundet.

5. Tag: Es ist dies wieder ein sehr fordernder Tag. Wir wandern von dem mehr „geschwungenem“ Pitztal ins recht schroffe und kantige Ötztal. Über 1.200 Höhenmeter geht es hinauf zur Braunschweiger Hütte, auf 2.736 m. Von dort folgt ein kniffliger Abstieg (mit dem zusätzlichen Führer Markus), über scharfe Kanten und teilweise auch über Schneefelder, bei denen man auf dem „Hosenboden“ mit etwas Mut eine schwungvolle Abkürzung nehmen kann. Wir sind bei bestem Wetter ebensolcher Laune und auch ein bisschen stolz, diese doch recht harte Etappe so gut bewältigt zu haben. Beim Transfer vom Weltcup- Skigebiet Sölden zu unserer Unterkunft in Obergurgl qualmen an unserem Kleinbus gehörig die Bremsen, was zu Übelkeit im Bus führt und unseren Unmut hervorruft.

6. und 7. Tag: Der letzte aktive Tag bringt nochmals eine Änderung des Tourenverlaufs. Wegen nach wie vor glitschiger Verhältnisse an kniffligen Stellen, verzichten wir auf die Überquerung des Königsjochs und „begnügen“ uns mit dem etwas einfacheren Timmelsjoch (2.500 m) mit „nur“ ca. 700 Höhenmeteren, entlang des Fernwanderweges E 5, sowie dem traumhaft schönen Abstieg hinunter ins Passeiertal in Südtirol. Dabei erzeugen die putzigen Alpenmurmeltiere viel Abwechslung. Durch die etwas kürzere Routenführung kommen wir recht zeitig in Meran an. Jede/r kann sich noch ausgiebig in der Stadt „vergnügen“, was auch individuell wahrgenommen wird. Zusammen mit Carolin begebe ich mich auf den historischen Meraner Stadtrundgang, der uns viele Einblicke in die lange Entwicklungs-geschichte der Stadt gewährt. Ein zünftiges Abschlussessen in einem stadttypischen Restaurant ist ein würdiger Abschluss unserer sehr gelungenen sportlichen Unternehmung. Nach einem letzten gemeinsamen Frühstück im Hotel, treten wir am nächsten Morgen (10. Aug.) mit einem Kleinbus den Rücktransfer nach Oberstdorf an, wo wir am frühen Nachmittag wohlbehalten eintreffen. Eine erlebnisreiche hochalpine Wanderwoche findet damit ein erfolgreiches Ende. Die Gruppe hat die ganze Zeit über bestens „funktioniert“ und harmonioert, was gewiss keine Selbstverständlichkeit ist. Als ältester Teilnehmer bin ich froh und dankbar, dabei gewesen zu sein.

Heribert Erbes, Bergwandergruppe  Sportgemeinde Spiesheim

 

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