Auszug aus dem Protokoll der 20. Sitzung des OGR Spiesheim am 26.10.2016

Beratung und Beschlussfassung über die Auftragsvergabe Metallbauarbeiten Vordächer am Mehrgenerationenhaus und dem Gemeindebüro
Einstimmig wird der Auftrag zur Herstellung der Metallbaudächer an die Firma Dietrich aus Alzey Dautenheim zu einem Angebotspreis von 4.356,83 € vergeben.

Historischer Ortsrundgang Spiesheimen gb

Hofgut Erbes

 

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Das Haus entspricht, von der ursprünglichen Anordnung her, einer ganz typisch fränkischen Hofanlage. Wohnbereich, Stallungen, Scheune, Kelterhaus, Hof und Hoftor bilden eine geschlossene Einheit. Die Grundmaße sind noch immer unverändert. Im Wohnbereich ist sogar die ursprüngliche Bausubstanz erhalten.

Es waren immer wieder Kriege und Belagerungen, die seit vielen Jahrhunderten die Menschen unserer Heimat zu einer Bauweise zwangen, die Schutz bot - wie bei diesem Haus - und die unter anderem auch zu dem sogenannten "Haufendorf" führte, wofür Spiesheim ein gutes Beispiel ist.

Erbaut wurde dieses Anwesen um 1680, wahrscheinlich von Michael Diefendäler. Nach Aufzeichnungen von Lehrer Adolf Diehl hatte Spiesheim im Jahre 1681 45 Häuser mit 215 Einwohnern, (davon 43 Männer, 44 Frauen 53 Jungen und 75 Mädchen). Ein im Erwerbsleben stehendes Ehepaar hatte im Durchschnitt 5-6 Kinder. Neben den Bauern gab es noch zwei Wirte, einen Schmied, einen Schneider, einen Küfer, einen Maurer und einen Leineweber sowie einen Knecht und eine Magd. Spiesheim litt damals noch sehr unter den Auswirkungen des 30-jährigen Krieges (1618-1648).

Um 1720 wird als Besitzer Johannes Steyl genannt. Im Jahre 1900 kaufte Georg Jung (1870-1920), Urgroßvater des heutigen Eigentümers, das Anwesen von einer Witwe Steil. Er bewirtschaftete mit seiner Ehefrau Margarethe, geb. Mühl (1860-1939), einen landwirtschaftlichen Betrieb mit etwas Weinbau. Alle Gebäude wurden gründlich renoviert und Nebengebäude auch teilweise neu errichtet.

 

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Georg Jung fuhr u.a. über viele Jahre mit dem Pferdefuhrwerk die Milch des Dorfes zum Wörrstädter Bahnhof. August Jung (1902 – 1994), Sohn von Georg Jung, führte den Betrieb von 1920 – 1922 alleine und ab 1923 mit seiner Ehefrau Eliese Jung geb. Jacobs (1898-1982) als landwirtschaftlichen Gemischtbetrieb mit der damals üblichen Tierhaltung. August Jung hatte vor allem auf dem Gebiet der Pferdezüchtung und Pferdehaltung einen guten Namen.

 

ortsrundgang15 hofgut erbes 3August Jung 1976 mit Pferd und "Plugskarre". Eliese Jung am Fenster

 

Friederike Erbes, geb. Jung, einziges Kind der Eheleute Jung, ist in diesem Haus 1927 geboren und wohnt ihr ganzes Leben lang hier. Friederike Erbes betrieb mit ihrem Ehemann Alfred Erbes (1926 – 1980) seit 1949 einen landwirtschaftlichen Gemischtbetrieb, mit zunehmend weinbaulicher Ausrichtung. Alfred Erbes war in vielfältiger Weise für die Gemeinde Spiesheim und den bäuerlichen Berufsstand aktiv.

Heutiger Eigentümer ist Heribert Erbes (geb. 1951), Sohn von Friederike und Alfred Erbes, der zusammen mit Ehefrau Sybille (geb. Deyle/geb. 1953), seit 1980 den Betrieb ausschließlich auf Weinbau mit Direktvermarktung ausrichtete. Für seine Erzeugnisse wurde der Betrieb national und international ausgezeichnet. Für sein ehrenamtliches Engagement erhielt Heribert Erbes vielerlei Ehrungen, darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande, die Theodor-Heuss-Medaille in Gold und die Ehrenmedaille des Landes Rheinland-Pfalz.

 

ortsrundgang15 hofgut erbes 4Hofgut Erbes 2016

 

Seit 2011 ist das Anwesen als schützenswert ausgewiesen. Nicht zuletzt wegen seiner Ecklage an exponierter Stelle im alten Ortskern, von Norden und Osten von weitem einzusehen, seit 2011 auch direkt am Jakobspilgerweg gelegen, ist das gut restaurierte Anwesen jedes Jahr aufs Neue ein Objekt für die Presse. Unter anderem wurde der Innenhof in den Medien als "Schmuckstück" bezeichnet. 1983 war das Haus Gewinner des Fassadenwettbewerbes des Landkreises.

Das gesamte Anwesen erfuhr in verschiedenen Publikationen mehrfach Belobigungen, unter anderem als schönstes Haus der Gemeinde.

In der dem Baustil angepassten Weinprobierstube fühlt man sich bei einem Glas Wein in ältere Zeiten zurückversetzt. Besonders interessant sind darin freigelegte Steine. Auf einem davon ist der Abdruck einer Muschel deutlich zu erkennen, welche die maritime Vergangenheit des Standorts (ehemals Mainzer Becken, Tertiär) authentisch belegt.

 

Text L15: Heribert Erbes – Oktober 2016
Bilder:      Erich Dexheimer / Fam. Erbes

Tour of Spiesheim's Historyde de

Family Estate Erbes

 

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The original order of the house corresponds to a typical Frankonian farmyard. Living space, stables, barn, wine press house, yard and gate form a closed unit. The dimensions have never been changed, even more, the original structure of the living space has been preserved.

There have repeatedly been wars and sieges in our region forcing people to build their houses in a way that gave shelter, like this farmyard, and led among others, to the so-called "scattered village". Spiesheim represents a good example for this kind of settlement.

Presumably, the whole farmyard was built by Michael Diefendäler around 1680. In 1681, teacher Adolf Diehl listed 45 houses with 215 inhabitants, 43 of which were men, 44 women, 53 boys and 75 girls. On average, a working couple had 5-6 children. Apart from the farmers, there lived 2 innkeepers, 1 blacksmith, 1 tailor, 1 cooper, 1 bricklayer and 1 linen weaver as well as a farm worker and a maid in the village. At that time, Spiesheim still suffered considerably from the consequences of the Thirty Years' War (1618-1648).

Around 1720, Johannes Steyl is mentioned as owner. In 1900, the current owner's great-grandfather Georg Jung (1870-1920) bought the estate from a widow Steil. Georg Jung and his wife Margarethe, born Mühl (1860-1939) ran a farm and did some wine-growing. The existing buildings were thoroughly renovated and new extensions were built.

 

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Many years, Georg Jung also transported the milk of the village to the station in Wörrstadt by horse cart. His son August (1902-1994) ran the farm alone from 1920 to 1922 and from 1923 on together with his wife Eliese Jung, born Jacobs (1898-1982) as mixed agricultural and wine-growing farm, completed by the then usual livestock. August Jung was well-known especially for the breeding of and caring for horses.

 

ortsrundgang15 hofgut erbes 3In 1976: August Jung with plough cart and wife Eliese at the window

 

Friederike Erbes, only child of August and Eliese Jung, was born in this house in 1927. She has lived here for her whole life. From 1949 on, she continued the work of her parents together with her husband Alfred Erbes (1926-1980), concentrating more and more on the wine-growing part of the farm. Alfred Erbes was committed to the community of Spiesheim and the peasantry in many ways.

The current owner Heribert Erbes, born as son of Friederike and Alfred Erbes in 1951, and his wife Sibylle, born Deyle in 1953, solely orientated on viniculture with direct marketing from 1980 on. The products of the Estate were honoured at a national and international level. Heribert Erbes was decorated for his various voluntary activities with many honours, e. g. the Cross of the Order of Merit of the Federal Republic of Germany, the Theodor Heuss Gold Medal and the Medal of Honour of Rhineland-Palatinate.

 

ortsrundgang15 hofgut erbes 4Family Estate Erbes in 2016

 

Since 2011, the well-restored Estate has been classified worth protecting and can be found anew in the media every year due to its exposed position at a corner in the old part of the village, visible from North and East and situated directly at the Way of St. James. Among other things, the inner yard was described as a "jewel" by the media. In 1983, the house won the facade competition of the administrative district Alzey-Worms.

Various publications praised the Estate e. g. as the most beautiful house of Spiesheim.

Sitting in the little wine tavern adapted to the architectural style of the house, maybe with a glass of tasty wine, makes you feel being taken back to earlier times. The room is all the more interesting for some exposed stones. The cast of a shell is clearly visible on one of them, which authentically proves the maritime origin of the site (once Basin of Mainz, Tertiary period).

 

Text L 15: Heribert Erbes - October 2016
Translation: Hildegard Wingert
Pictures: Erich Dexheimer / Fam. Erbes

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